Unterwegs sein
Anregungen zur Arbeit im Unterricht
Nach mehreren erfolgreichen Schulwettbewerben hat das Zentrum für Österreichstudien auch im Schuljahr 2007/2008 einen solchen Wettbewerb für Gymnasien und Handelsschulen im Norden und im Baltikum veranstaltet. Thema war: „Unterwegs sein“, wobei das Ziel war, dass sich die jungen Menschen mit dem Aufbruch aus dem Alltag beschäftigen, mit der Fahrt durch das Leben und mit dem Leben selbst, mit Phantasiereisen und der Sehnsucht.
Es langten bei uns insgesamt 216 Beiträge aus 59 Schulklassen ein, wobei wohl von vielen Klassen nur die besten Beiträge geschickt wurden. Die meisten teilnehmenden Klassen kamen aus Litauen (20), gefolgt von Lettland (18), Dänemark (10), Estland (6), Schweden (4) und Finnland (1).
Wir finden unter den Beiträgen nicht nur – wie vorgeschlagen – Erzählungen, Gedichte, Essays, Lieder und Bildgeschichten. Wir finden auch Tagebücher, Jahreskalender und Kinderbücher, Brettspiele und Plakate, gebastelte Blumen, deren Blätter mit Texten versehen sind, viele Power – Point – Präsentationen, selbst produzierte Musik und Kurzfilme.
Die Beiträge der Gewinner/innen
1. Preis
Antons Sepetis
Riga Zolitude Gymnasium, Lettland
Film: „Unterwegs im Internet oder Wie Herr Müller die größte Reise seines Lebens machte“.
Der Gewinner Antons Sepetis vom Riga Zolitude Gymnasium in Lettland betitelte seinen Beitrag „Unterwegs im Internet oder Wie Herr Müller die größte Reise seines Lebens machte“. Er besteht aus dem Drehbuch zu einem Film und dem Film selber. Am Anfang des Films steht die Einblendung: „Das Internet ist heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Heutzutage ist es allgegenwärtig. Aber was nicht alle wissen: jedes mal wenn man ins Internet geht, bekommt man die Möglichkeit eine Reise um die Welt zu machen - zugleich unterwegs sein und daheim sein.“ Sie wird vom Autor und Regisseur selbst gelesen und ist unterlegt mit dem Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust“ von Schubert. Anschließend leitet uns Antons Sepetis durch das Programm, mit seinem Computer in den Armen und in einem verdunkelten Raum. Er erzählt von Herrn Müller, einem sehr beschäftigten, 40-jährigen Bankangestellten, der weder Geld noch Zeit, weil 4 Kinder, hat, um zu wandern. „Und jeder weiß: ´… das muss ein schlechter Müller sein, dem niemals fiel das Wandern ein`“. Also findet er den Ausweg, das Internet. Und hier macht er die größte Reise seines Lebens, nach Spanien, zu Stierkämpfen, der Sagrada Familia, dem Flamenco und der Tomatina (einer Tomatenschlacht im Dorf Bunol). Er lässt sich zunächst von den Bildern verzaubern und hört gleichzeitig die spanische Nationalhymne „Viva Espana“, um die Bilder dann zu kommentieren. Am Ende, wieder in seinem dunklen Zimmer lobpreist er das Internet und meint, nun doch ein guter Müller zu sein - einer, der unterwegs ist.
Drehbuch zum Film: „Unterwegs im Internet oder Wie Herr Müller die größte Reise seines Lebens machte“ (Den Film können wir auf Grund seines Umfangs leider nicht publizieren).
2. Preis
Jomanté Dalgedaité
Gymnasium Švenčionys, Litauen
Märchen mit Illustrationen: „Wie eine Fliege ihr Glück gefunden hatte“
Aus Litauen kommt die nächste Preisträgerin, Jonanté Dalgedanté, vom Gymnasium in Švenčionys in Litauen. Sie hat sich des Themas in Form eines manchmal fast schon absurden Märchens angenommen, das von einer Fliege handelt: „Wie eine Fliege ihr Glück gefunden hatte“. Sie zieht von Kontinent zu Kontinent und erlebt immer wieder ihre Enttäuschungen. In Amerika nimmt sie ein paar Gramm zu (zu viele Schnellimbisse), in Afrika wird sie ganz schwarz (zu viel Sonne). Dann liest sie in einer Annonce, dass man in einem Musikwettbewerb ein weltbekannter Star werden kann, „wenn man Schwein hat“. Also, sie „startete zu den Sternen“. Dann beim Songcontest wimmelt es nur so von Tieren auf der Suche nach dem Glück. Außerdem ist dieser vom Maulwurf manipuliert, dessen Tochter gewinnt. Nach ein paar bitteren Tränen macht sich die Fliege auf den Heimweg, nimmt überall Abschied von ihren Freunden und findet zu Hause ihr Glück: „Hier ist mein Glück – in Litauen“. Verpackt ist die ganze Geschichte als Kinderbuch, mit fantastisch schönen, gezeichneten Seiten mit aufklappbaren Elementen.
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Illustrationen aus dem Märchen: „Wie eine Fliege ihr Glück gefunden hatte“
3. Preis
Frida Wålinder und Sofia Qvarfort
Katedralskolan Uppsala, Schweden
Lied mit Animation: "Unterwegs"
„Viele sehnen sich sicher nach etwas oder jemandem, sie wollen weg vom Alltag und dem Leben. Ich habe mich lange nach einer Person gesehnt …“. Dann endlich ein Funken Hoffnung, und sie hat ein Lied geschrieben: „Hör auf / Du musst aufwachen / Sieh es ein / Deine Zukunft liegt dort am Horizont / Fang es / Nichts kann dich jetzt stoppen / Ich bin / Unterwegs“. Während des Liedes sehen wir ein lustiges, im naiven Stil gezeichnetes Schaf auf grüner Wiese, das sich zur Musik hin- und herwiegt. Auch ein Schmetterling fliegt vorbei. Text, Melodie und Gesang sind von Frida Wålinder, Musik, Begleitung und Einspielung von Sofia Qvarfort, beide von der Katedralskolan in Uppsala (Schweden).
Lied mit Animation (RealPlayer): "Unterwegs"
(Text zum Lied)
4. Preis
Maj Roja Stougaard Andersen und Sofie Tækker Goul
Skive Gymnasium, Dänemark
Geschichte mit Bildern: Fanny und Lalalia kommen nach Skive
Die nächsten Preisträgerinnen schließlich kommen vom Skive Gymnasium in Dänemark: Maj Roja Stougaard Andersen und Sofie Tækker Goul. Sie haben eine Power – Point – Präsentation mit Text und Bildern erstellt, die von Fanny und Lalalia aus dem Land Fantasia erzählen, in dem alles rund ist, „die Häuser, die Tische, die Möbelstücke, die Berge“. Darum reisen sie auch nicht mit dem Flugzeug, sondern einem Luftballon. Wir erfahren einiges aus dem Leben der beiden jungen Frauen und über das Leben in Fantasia, wo alle in eine Schule für Künstler/innen gehen. Dann aber landen Fanny und Lalalia plötzlich in einem komischen Land namens Dänemark, verbringen dort drei Tage und manches kommt ihnen komisch vor. Zuallererst, dass alles viereckig ist. Aber sie beginnen allmählich auch Dinge in diesem Land zu schätzen, z.B. die Bäume, die es in Fantasia nicht gibt, weil der Sauerstoff von Maschinen erzeugt wird. Am Ende verabschieden sie sich und die Autor/innen beschließen, selbst auch einmal aus Dänemark aufzubrechen und dieses andere komische Land zu besuchen.
5. Preis
Alma Petkevičiūte
Mittelschule in Sasnava, Litauen
Wieder ganz anders nähert sich Alma Petkevičiūte von der Sasnavos Mittelschule im litauischen Sasnava dem Thema „Unterwegs sein“. Sie hat in unendlich mühevoller Arbeit ein Brettspiel mit dem Titel „Litauen ist eine Reise wert“ erstellt. Wir finden einen handgefertigten Spielplan mit Litauen im A3-Format, dazu Spielkärtchen mit verschiedenen Orten, Bildern auf der Vorder- und Quizfragen auf der Rückseite. Dazu gibt es eine Beilage mit den Spielregeln, allen einzelnen Fragen und Antworten. Wir erfahren so ziemlich alles über dieses Land!
6. Preis
Victoria Pfeiffer
Deutsche Schule in Stockholm, Schweden
Die weiteren fünf Gewinner/innen von Sachpreise haben äußerst verschiedene Wege gesucht und gefunden, das Unterwegssein zu thematisieren. Victoria Pfeiffer von der Deutschen Schule in Stockholm z.B. hat sich dem Thema philosophisch-soziologisch genähert und ihre Gedanken als Radiofeature umgesetzt. Diese Hörminiatur hat den Titel „Svensson versus Seneca“. Darin vergleicht sie die Einstellung des römischen Stoikers („Epistulae morales“ Nr. 28) zum Reisen und zur inneren Ruhe mit dem ca. 2000 Jahre später lebenden Schweden Svensson. Zwischen den philosophischen Überlegungen sind zum Thema passende Musiktitel, u.a. „Homeward bound“ von Simon & Garfunkel.
7. Preis
Toms Zarins
Gymnasium Orgre, Lettland
Auch Toms Zarins vom Gymnasium Orgre in Lettland eröffnet seinen Beitrag mit einem philosophischen Essay, wo er erläutert, dass ein Mensch, der nicht mehr unterwegs ist, „in Routine erstarrt“. Und weiter: „Unterwegs sein bedeutet nicht, sich von Punkt A bis zum Punkt B zu bewegen, nein. Das ist viel mehr. Unterwegs sein bedeutet, sich Gedanken zu machen, zu sehen, zu beobachten, zu verstehen, mitzufühlen, zu bemerken und sich zu erinnern.“ Dieses Sehen und Beobachten ist dann auch die Grundlage seines Beitrags. Er hat in Riga an einer Fotoaktion „Ein Tag in Lettland“ am 31. August 2007 teilgenommen und wunderbare Bilder dieses einen Tages gemacht: Menschen in Bewegung. Die Bilder sind mit Uhrzeit und kurzen Kommentaren versehen.
8. Preis
Zita Strakšyte
Gymnasium in Švenčionys, Litauen
Eine herrliche, selbst gebastelte Blume hat Zita Strakšyte vom Gymnasium in Švenčionys in Litauen eingereicht. Auf einzelnen Blättern finden sich ergreifende Gedanken in Form von Gedichten zum Unterwegssein, aus verschiedenen Perspektiven betrachtet: „Noch immer traurig bist du? / Mach die Augen zu und denk nur an das Schöne / Ich hol dich ab in meinen Träumen / Wir müssen uns beeilen, nichts versäumen“. Oder: „Dann also! Wohin? – Zum Rand der Welt / Wo niemand dich und mich erkennt / Wo Blumen in dem Schnee aufblühen. / Den schnellen Wind wir lassen nicht in Ruhe.“ Neben diesen feinen Gedichten gibt es auch Zeichnungen und auf einem Blatt finden sich asiatische Schriftzeichen, die wir bisher noch nicht entschlüsselt haben…
9. Preis
Zehn Schüler/innen
aus dem Gymnasium Vastseliina in Võrumaa, Estland
Zehn Schüler/innen aus dem Gymnasium Vastseliina in Võrumaa (Estland) das Thema Unterwegs sein als Jahreskalender 2008 gestaltet. Neben Wochentage und Daten finden wir Texte und Bilder über Traumreisen, die in verschiedene Länder Europas führen.
10. Preis
Tina Kjær
Solrød Gymnasium, Dänemark
Und last but not least finden wir unter den gewinnenden Beiträgen auch ein kleines feines Gedicht von Tina Kjær vom Solrød Gymnasium in Dänemark: "Ich bin unterwegs".